Sonntag, 20. Dezember 2015

Brich an, du schönes Morgenlicht, und lass den Himmel tagen!

Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach gehört für mich zum Fest dazu und jene Worte daraus zitiere ich gern in diesen Tagen, da ich die Wintersonnenwende herbei sehne.

Heute Morgen bin ich spontan zu einer kleinen Radtour aufgebrochen. Bewegung an der frischen Luft brauchte ich, Ruhe und Adventsstimmung und beeilte mich deshalb, noch in der Dunkelheit aufzubrechen. Ich sah festlich geschmückte Fenster und geputzte Weihnachtsbäume in den Stuben. Als ich in Altkaditz die Stadtgrenze hinter mir ließ, war ich auf einmal von völliger Stille umfangen. Ich erblickte die Lichter von Cossebaude und Oberwartha am linken Elbufer, das Spitzhaus und die beleuchtete Spitzhaustreppe auf der rechten Seite, wo ich unterwegs war. Die aufgehende Sonne färbte den Himmel in zartem Rosa und Orange. Als ich weiter fuhr, fühlte ich mich heimisch und glücklich und doch sehnsuchtsvoll, denn es ist auch die Weite des Elbtals, die mich immer wieder lockt.

Sogar in den Kleingärten bei Altkötzschenbroda glitzerten zwei beleuchtete Tannenbäume! Als ich bei der Elbbrücke nach Niederwartha ankam, wurde es hell. Ich beschloss, umzukehren, um pünktlich zum Frühstück wieder Zuhause zu sein. Nun kamen mir einige Läufer entgegen, denen man ansah, dass sie die Morgenstimmung ebenso genossen wie ich. Frohe Feiertage wünsche ich allen Lesern: festlich, turbulent, lustig, besinnlich, ruhig - möge für Jeden das Richtige dabei sein. Ich hatte heute schon sehr weihnachtliche Momente bei dieser kleinen Tour.

Montag, 7. Dezember 2015

Ein Wochenende in Tangermünde und Jerichow

04.12.15

Anreise und Ankunft

Habe ich schon geschrieben, dass ich gern verreise? Ich mag es, in Zügen zu sitzen, mir die Landschaft und die Ortschaften anzusehen, ebenfalls die Mitreisenden. Es sind nur flüchtige Eindrücke, aber oft sieht man Interessantes im Vorbeifahren. Der erste Halt in einem größeren Bahnhof: ein Paar draußen auf dem Bahnsteig. Er nähert sich ihr, sie entzieht sich mit schmollendem Gesichtsausdruck. Er versucht, sich an ihrem Schal vorbei zu mogeln und sie zu küssen. Sein Gesichtsausdruck ist amüsiert, aber auch zärtlich. Sie weicht aus, kriecht in ihren Schal hinein und schmollt weiter. Aus irgendeinem Grund ist sie sauer auf ihn. Dann gelingt ihm doch ein Kuss. Sie lässt es geschehen, schaut immer noch ausgesprochen zickig drein. Beide sind schätzungsweise Mitte Sechzig. Der nächste Halt an einem großen Flughafen. Ich bin gern in Reisezentren. Bahnhöfe, Häfen, Flughäfen: ich muss sie nur sehen und empfinde Spannung und Vorfreude. Noch immer sehe ich gern Flugzeuge starten und landen, obwohl ich nicht so gern fliege. Der Anblick der großen Silbervögel fasziniert mich und macht mir immer Lust aufs Reisen.

Später fahren wir an einigen Teichen vorbei. Dort sind Schwäne, aber auch ein Vogel, der wie ein Reiher aussieht. Noch ein Stück weiter die Gewissheit: ein Silberreiher, ganz deutlich zu erkennen. Wir fahren durch Ortschaften in der Altmark, die wir noch nie zuvor gesehen haben. In Stendal suchen wir Gleis 8, wo unser Zug nach Tangermünde abfährt. Das Gleis befindet sich ein Stück außerhalb des Bahnhofs hinter Gleis 2 und 3. Die Bahn pendelt zwischen Stendal und Tangermünde, es ist eine Mini-Strecke von 10 Kilometern. Schön, dass es sie noch gibt!

In Tangermünde wird es bald dunkel. Wir gehen ein Stück an der Hafenpromenade entlang, wenden uns wieder Richtung Altstadt und sehen Licht in einer Kirche. In der alten Salzkirche, die nicht mehr als Kirche, sondern als Galerie und Konzertsaal genutzt wird, ist man auf Besucher eingestellt. Wir sehen uns die Gemälde an, die ausgestellt sind. Zwei freundliche Damen vom Museumsverein geben uns einen Tipp: in der Alten Brauerei ist schon ein kleiner Weihnachtsmarkt. Sie beschreiben uns den Weg dorthin und tatsächlich geht es dort im Innenhof sehr weihnachtlich zu. Auch einige der offenen Höfe sind schon auf Besucher eingestellt. Alles ist noch relativ ruhig und gemütlich – wir empfinden es wie ein Geschenk, schon vor Eröffnung des großen Weihnachtsmarktes in Stimmung kommen zu können. Die Aufbauarbeiten für das Wochenende sind bereits im Gange. Einheimische fragen uns, woher wir kommen. Aus Dresden? Hierher? Warum denn nicht? Tangermünde ist ein hübsches und liebenswertes Städtchen. Ich hätte Dresden längst den Rücken gekehrt, wenn das Wohnen in der Stadt nicht auch einige Vorteile hätte, die wir derzeit nicht missen möchten. Aber ich mag die Stadt nicht mehr. Vielleicht muss man von außerhalb kommen, um Dresden zu mögen. In Dresden spüre ich kein Flair, in Tangermünde schon.

05.12.15

Es fährt ein Bus nach Jerichow

Im Sommer 2012 sind wir den Elberadweg von Magdeburg nach Cuxhaven gefahren. Unser erster Stopp unterwegs war in Tangermünde, schon damals eine Empfehlung. Das Städtchen gefiel uns sehr gut und beim Ausblick von der Burg machte uns ein älterer Herr auf das Kloster Jerichow aufmerksam. Das sei etwas ganz Besonderes, meinte er, und wir müssten es uns unbedingt ansehen.

Dorthin zu fahren, wäre mit einem Umweg verbunden gewesen, und wir ließen es vorerst bleiben. Schon für 2013 nahmen wir uns vor, auf der anderen Elbseite mit den Rädern entlang zu fahren und auch Jerichow anzusehen. Aber das Hochwasser, das in jenem Jahr in Sachsen-Anhalt besonders schlimm war, kam dazwischen und wir änderten unsere Reiseplanung. Die Berichte einer lieben Freundin, die Jerichow und Tangermünde ebenfalls gut kennt, sorgten dafür, dass die Idee nicht in Vergessenheit geriet: Ende 2014 plante ich dieses Adventswochenende fest ein. Weihnachtsmarkt 2015 in Tangermünde + Fahrt nach Jerichow. Gestern Abend konnten wir wieder das Kloster auf der anderen Elbseite sehen. Kurz nach neun Uhr stehen wir am Bahnhof in Tangermünde und warten auf den Bus nach Genthin. Er fährt einen Bogen über die Elbbrücke bei Fischbeck, an einem großen Sumpf- und Überschwemmungsgebiet vorbei nach Jerichow und hält bei Bedarf wenige Meter entfernt vom Kloster.

Ein eisiger Wind weht, als wir um das Kloster herum gehen. Hier verlaufen sowohl der Elberadweg als auch die Straße der Romanik. Bei schönem Wetter wären wir gern noch ein Stück durch die Elbauen gegangen. Heute sind wir froh, dass wir gegen 10 Uhr hineingehen können. Das Kloster ist in weiten Teilen schon sehr gut restauriert worden. Vor allem die Klosterkirche, ein imposanter Backsteinbau, ist sehr beeindruckend. Außerdem können Klostermuseum und Klostergarten besichtigt werden. Freilich: wirklich warm wird uns nicht, und im Winter fehlt auch eine Einkehrmöglichkeit. Im Sommer ist ein Café geöffnet. Im Klostergarten halten wir uns bei der Kälte nicht lange auf, sondern beschließen, den Bus kurz nach 12 Uhr zurück nach Tangermünde zu nehmen.

Hier strömen die Menschen von allen Seiten auf den Weihnachtsmarkt. Auch wir bummeln, lassen es uns gut gehen, sehen uns die Auslagen an, hören Musik und schauen den Kindern zu, die Karussell fahren. Am Glühweinstand erkennt man uns schon. Immer wieder ergeben sich kurze Gespräche mit Einheimischen. Es sind nette Leute, denen ihre Stadt am Herzen liegt. Wiederholt werden wir gebeten, für die Gegend Werbung zu machen. Aber ich verstehe es nicht als Werbung, sondern als Empfehlung: Tangermünde und natürlich auch die Umgebung sind immer wieder eine Reise wert.

06.12.15

Wanderung durch die Elbauen und ein wundervoller Abschluss

Am Morgen kann ich es kaum glauben, dass ich beinahe zehn Stunden geschlafen habe. Heute treibt uns überhaupt nichts an, und das ist ein angenehmer Start in den Tag. Ganz anders, als wir damals auf dem Elberadweg unterwegs waren: da hatten wir unsere geplante Strecke und die Urlaubstage, die uns zur Verfügung standen, und beides musste irgendwie zusammenpassen.

Oft geht es uns so, dass wir eine Gegend flüchtig kennenlernen und unbedingt noch einmal mit mehr Zeit wieder kommen möchten. Schön, wenn uns so etwas gelingt! Tangermünde ist so ein Beispiel. Wir haben dieses Mal auch für eine kleine Wanderung Zeit. Unsere Tour führt uns ein kleines Stückchen auf dem Elberadweg Richtung Grieben entlang. Man befindet sich auf einem Deich, von großen Alleebäumen gesäumt. Hier findet man relativ unberührte Natur, die nicht oder kaum landwirtschaftlich genutzt wird. Im Sommer kann man öfter Störche beobachten. Nun sieht man ab und an einen Raubvogel kreisen – und genießt die Stille. Das Licht ist stimmungsvoll wie in einem Ölgemälde. Immer wieder begegnen uns Läufer, ab und an auch Radfahrer. Nach circa vier Kilometern wenden wir uns rechts herum, gehen auf einem Weg unterhalb eines Deiches nach Bölsdorf und von dort auf einem Fußweg entlang der Straße zurück nach Tangermünde. Letzterer Abschnitt ist weniger schön, aber dennoch sicher zu gehen. Immerhin sind wir reichlich 11 Kilometer gewandert und gerade rechtzeitig wieder im Ort, um den Turm der Burg zu besichtigen, was nur zu bestimmten Zeiten möglich ist.

Eine ältere Dame ist vor Ort, um Besucher hinauf zu führen. Wir gehen über mehrere Etagen nach oben und dürfen schließlich nach allen Richtungen durch die Luken sehen. Die Fernsicht ist wirklich gut. Der Turm diente zur Verteidigung, als Speicher und Lagerplatz und eine Etage wurde zeitweise auch bewohnt. Nach einem kurzen Weihnachtsmarktbummel besuchen wir noch das Stadtmuseum im Rathaus. Anschließend lassen wir den Tag mit Glühwein, Punsch, Met und allerlei Leckereien ausklingen.

Am Abend möchten wir noch einen Spaziergang machen. Ein bisschen erstaunt sind wir, weil das Städtchen geradezu leergefegt ist. Viele Buden sind schon in Einzelteile zerlegt, andere werden gerade verladen, und es sind nur noch wenige Menschen unterwegs. Schade – einen Glühwein hätten wir gern noch getrunken, aber wenn nicht, dann eben nicht. Schließlich wollten wir keinen Großstadt-Weihnachtsmarkt besuchen! Als wir auf dem Rückweg zum Hotel sind, werden wir von einer Gruppe von Leuten überholt. Da preist doch tatsächlich noch Jemand einen Rest Punsch an. Niemand aus der Gruppe reagiert – aber wir sind gleich zur Stelle. Schnell ist die letzte Bestellung aufgegeben, sind zwei bereits gut verpackte Plastikbecher hervorgeholt und wir bekommen den vermutlich letzten Punsch des diesjährigen Weihnachtsmarktes in Tangermünde.

Als ich jünger war, hatte ich sehr feste Vorstellungen davon, wie etwas zu sein hat. Heute lasse ich mich gern von kleinen, unerwarteten Momenten beschenken: wenn Kinder Weihnachtslieder singen, wenn ich plötzlich neue Ideen habe, wenn das Fischbrötchen ausgesprochen gut schmeckt, sich zufällig ein interessantes Gespräch ergibt oder ein letzter Becher Punsch zu haben ist. Wenn wir einfach Zeit haben und entscheiden können, wie wir sie verbringen und die Wahl keine Qual ist, sondern im Grunde einfach und kein großer Akt. Ob wir noch einmal nach Tangermünde kommen werden? Dieser Aufenthalt hat keine Wünsche offen gelassen, es war ein Wochenende zum Genießen. Aber vielleicht sind wir mal wieder hier auf der Durchreise.

Sonntag, 1. November 2015

Auf dem Weinwanderweg bei Meißen

Wir sind heute ein Stück auf dem Sächsischen Weinwanderweg gegangen: vom Bahnhof Meißen aus ging es zunächst an der Elbe entlang bis zum Winterhafen, dann unterhalb des Bocksberges mit den Weinstöcken und dem herrlich gefärbten Laub weiter zum Heiligen Grund. Gleich hinter dem kleinen Teich geht ein Weg links etwas steiler bergauf. Man gelangt auf dem Bocksberg, wo man eine schöne Aussicht auf Dom und Albrechtsburg hat. An der Wegkreuzung oben geht es geradeaus weiter, der Ausschilderung „Meißen Walking“ folgend, zur Bennokanzel. Die Richtung ist an der Kreuzung auch ausgeschildert. An der Bennokanzel hat man wiederum einen schönen Blick übers Elbtal und auf Meißen. Der Weg führt abwärts zum Gasthof „Knorre“ unten am Elberadweg. Wir haben den Fehler gemacht, vom Aussichtspunkt aus einen kleinen Pfad zu wählen, der sehr steil ist und nun, da mit Laub bedeckt, nicht ganz ungefährlich – ein bisschen alpin war das schon und Stöcke hatten wir nicht dabei… Der Hauptweg, der an der Aussicht vorbei führt, verläuft auch nach unten und ist weniger steil. Unten angekommen, wendet man sich wieder rechts und nimmt den Fußweg nach Winkwitz. Im Ort kann man den rot- weiß markierten Weg nach rechts wählen, der zunächst in ein Tal und weiter nach Proschwitz führt. Man kommt am Schloss Proschwitz vorbei, das aber normalerweise nicht besichtigt werden kann. Wir folgen dem Weinwanderweg und gelangen wieder an die Wegkreuzung auf dem Bocksberg. Nun geht es geradeaus Richtung Elbtal über die sogenannten Katzenstufen. Wir treffen den Elberadweg wieder am Winterhafen und folgen weiter dem Weinwanderweg durch Meißen bis zum Bahnhof. Diese kleine, aber aussichtsreiche Tour (8,5 Kilometer) bietet sich an, wenn man mal nicht so weit gehen möchte. Lohnend ist sie vor allem bei schönem Wetter.

Sonntag, 25. Oktober 2015

Wanderung zu den Zschirnsteinen 24.-25.10.15

Eine Tour zum Kleinen und Großen Zschirnstein wollten wir schon längst einmal machen. An diesem Wochenende ist nun endlich gutes Wanderwetter. Allerdings sind die Zschirnsteine für eine Tagestour von der S-Bahn aus beinahe schon zu abgelegen. Im Sommer wäre das noch etwas Anderes, aber jetzt, im Herbst? So kommt uns die Idee, in der Zschirnsteinbaude zu übernachten und somit die Wanderung gemütlicher zu gestalten.

24.10.15: Wir fahren 13.13 Uhr mit der S-Bahn von Dresden-Trachau Richtung Elbsandsteingebirge und sind 14.16 Uhr in Krippen. Dort beginnt unsere Wanderung zur Zschirnsteinbaude. Wir wandern zuerst ins Ortszentrum hinein. Krippen ist ein schöner, malerischer Ort, von Bad Schandau nur durch die Elbe getrennt, ähnlich zentral, aber viel ruhiger. Wanderer, die mit dem Auto kommen, fahren die Straße durch den Krippengrund nach Kleingießhübel. Wer wie wir zu Fuß geht, nimmt am besten den rot markierten Weg zum Kohlbornstein. Man biegt an der Kleinhennersdorfer Straße rechts ab und geht dort ein Stück bergauf. Bald sieht man schon die Wanderwege und Markierungen. An einer Wegkreuzung allerdings ist die Ausschilderung nicht eindeutig: nur der Rundweg (um den Kohlbornstein) ist ausgeschildert. Wir wenden uns links herum und es dauert eine ganze Weile, bis wir den Aufstieg finden. Über einen Reitweg gelangen wir schließlich zum Weg, der beschildert ist und hinauf führt. Rechts herum wäre es wahrscheinlich kürzer gewesen. Der Aufstieg zum Kohlbornstein wurde kürzlich erneuert; man sieht noch die Spuren der Bauarbeiten und die alten Holzschwellen. Es ist von dort aus nicht mehr weit bis nach oben (372 m). Wir finden es ein wenig schade, dass man nur durch die Bäume lugen kann, um etwas Aussicht zu haben. In der Zschirnsteinbaude erfahren wir später, dass wir noch ca. 100 Meter nach rechts hätten gehen müssen; dort gibt es eine Aussichtsplattform mit einem schönen Blick auf Krippen. Also müssen wir dort noch einmal hin!

Auf dem gleichen Weg geht es wieder hinunter und wir folgen nun dem rot markierten Weg nach Kleingießhübel. Er führt unterhalb der Lasensteine durch den Wald und trifft kurz vor dem Ortseingang die Straße. Eine sehr schöne, ruhige Wandergegend ist das! An diesem wunderschönen, sonnigen Tag kommen uns nur auf dem Rundweg um den Kohlbornstein ein paar Spaziergänger entgegen. Auf dem restlichen Stück begegnen wir niemandem. In Kleingießhübel wenden wir uns bald nach links und gehen, der Ausschilderung folgend, an der Straße entlang in den oberen Teil des Ortes. Bald können wir unser morgiges Wanderziel, den Kleinen Zschirnstein, gut sehen. In der Zschirnsteinbaude machen wir eine kurze Pause und beziehen dann unser Zimmer. Natürlich lassen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen, in der Baude zu Abend zu essen – es gibt einfache, gute Hausmannskost, sehr empfehlenswert! Anschließend machen wir noch einen Abendspaziergang durch den Ort. Es ist schnell dunkel geworden, nur der Mond scheint hell - direkt über dem Gipfel. Man kann die Häuser von Reinhardtsdorf und die Lichter von Bad Schandau sehen. Es ist immer ein Erlebnis, im Gebirge zu übernachten – dazu muss man gar nicht so weit weg fahren.

25.10.15: Wir haben in unserem Kurzurlaub das Glück einer besonders langen Nacht, denn die Uhr wird wieder eine Stunde zurück gestellt. Als ich morgens aus dem Fenster sehe, ist es noch neblig draußen: wir können uns also Zeit lassen. Frühstück und Kaffee sind sehr gut, die Wirtsleute sind sehr nett – und wir haben in unserem Zimmer gut geschlafen. Gegen neun Uhr machen wir uns auf den Weg zum Kleinen Zschirnstein. Auch hier gibt es einen Rundweg und zwei Möglichkeiten des Aufstiegs: den Weg durch den Hirschgrund, der steil sein soll, und den sanft ansteigenden Wiesenweg entlang der Alten Tetschener Straße. Der Hirschgrundweg hätte uns durchaus gereizt, aber wir befürchten, dort nasse Füße zu bekommen (die Bergstiefel sind zu Hause geblieben) und gehen daher lieber den Wiesenweg. Man kann ihn, da es sich um eine Straße handelt, nicht verfehlen. Es dauert eine ganze Weile, bis wir an eine Wegkreuzung kommen. Wir gehen rechts herum auf dem B-Flügel bis zu einer weiteren Kreuzung, wo wir noch einmal rechts abbiegen und der gelben Markierung folgen. Nach wenigen Metern erreichen wir einen Rastplatz, von wo aus der Rundweg über den Kleinen Zschirnstein beginnt. Wir gehen rechts herum, aber links herum könnte man genauso gut gehen. Nach einem mäßigen, unschwierigen Anstieg erreichen wir das Gipfelplateau des Kleinen Zschirnsteins (472 m). Er ist ein wunderschönes Ziel und gar nicht überlaufen. Es ist kurz vor zehn Uhr und wir sind bereits auf dem Berg – das ist doch ein schöner Start in den Tag! Der Wald oben wirkt ein wenig verwunschen. Viele Pfade führen über den Stein und man erreicht mehrere Aussichtspunkte. Immer wieder sehen wir nach Kleingießhübel hinunter: der Ort wirkt, da wir dort übernachtet haben, irgendwie anheimelnd.

Der gelb markierte Weg führt uns rund um das Gipfelplateau und schließlich wieder zurück zum Rastplatz. Nach einigen Schritten sind wir wiederum an der Kreuzung und folgen nun dem rot markierten Weg zum Großen Zschirnstein. Die Sonne lugt immer mal durch die Wolken, aber so richtig will sie uns heute nicht verwöhnen. Dennoch ist es ein guter Tag zum Wandern und die Sicht ist auch ganz ordentlich. Einige Meter links vom Aufstieg zum Großen Zschirnstein befindet sich die sogenannte Wildbrethöhle, die man sich ansehen kann. An der nächsten Gabelung folgen wir dem Zschirnstein-Rundweg, statt die Stufen nach oben zu gehen. Es ist ein sehr schöner Weg, der wiederum durch einen ganz romantischen Wald führt. Immer wieder kommt man an bemoosten Felsen vorbei. Am Zschirnstein wird auch geklettert und wir sehen Bergsteiger, die sich zum Aufstieg bereit machen. Nach einer Weile fragen wir uns, wann denn endlich der vom Navigationsgerät angezeigte Weg zum Gipfel kommt. Dann sehen wir einen schmalen, aber deutlichen Pfad nach oben. Es stellt sich heraus, dass er gut begehbar ist und auch nicht, wie ich befürchtet habe, unterhalb einer Felswand endet. Oben angekommen, treffen wir den breiten, rot markierten Hauptweg übers Gipfelplateau und folgen ihm bis zum Aussichtspunkt, wo auch eine Schutzhütte steht. Mit 562 Metern ist der Große Zschirnstein die höchste Erhebung des Elbsandsteingebirges. Auf dem Großen Zschirnstein gibt es neben der großen (natürlichen) Aussichtsplattform auch mehrere kleine Aussichten. Wir sind froh, viel Zeit für Abstecher und zum Genießen zu haben. Die Laubfärbung ist eine Pracht und die Ausblicke sind immer wieder schön. Wir ahnen ja auch, dass wir in diesem Jahr vermutlich keine so großen Touren mehr machen werden.

Vom Großen Zschirnstein aus folgen wir dem rot markierten Weg Richtung Schmilka. Nachdem wir den Berg hinter uns gelassen haben, treffen wir bald auf den sogenannten Marktweg, gelb markiert. Es ist eher eine Straße als ein Weg, schnurgerade und vor allem zum Radfahren sehr gut geeignet. Tatsächlich kommt auch ein Radfahrer vorbei, aber bis kurz vor Schöna werden wir sonst keine Menschen treffen. An einer Kreuzung verlassen wir den Marktweg und folgen der Ausschilderung zum Zirkelstein. Dieser markante Felsen (384 m) ist der kleinste Tafelberg des Elbsandsteingebirges. Lange sind wir nicht hier gewesen und möchten natürlich hinauf. Als wir den Wald verlassen, sind wir ihm schon recht nahe und müssen nur noch ein Feld überqueren. Hinter dem Zirkelstein-Resort geht es ein Stück geradeaus und dann rechts herum zum Berg. Noch ein paar Meter auf halber Höhe entlang, dann folgt der Aufstieg mit Treppen und schließlich Stiegen. Bald steht man auf dem kleinen Felsplateau und genießt die Aussicht auf den Großen Winterberg, die Schrammsteine, die Zschirnsteine, die gegenüberliegende Kaiserkrone und andere Gipfel. Es ist trüb geblieben, aber ein paar Sonnenstrahlen dringen durch die Wolken und dieses Licht ist besonders schön.

Da wir immer noch Zeit haben, wollen wir schließlich noch die Kaiserkrone besteigen. Man könnte direkt nach Schöna hinein wandern, wir nehmen aber einen Feldweg und umgehen das Ortszentrum. In Schöna könnte man der Wanderkarte nach auch einkehren, aber wir sind in der Zschirnsteinbaude so gut verpflegt worden, dass wir auch unsere Rucksackvorräte nicht komplett verbrauchen müssen. Und uns lockt doch die Kaiserkrone! Ein schöner, kleiner Gipfel (354 m), der sich auch gut für Familien mit kleineren Kindern eignet. Er besteht aus zwei Felsmassiven mit mehreren Aussichtspunkten, die über Treppen erreicht werden. Auch hier genießen wir die vielen Ausblicke rundum, ehe wir uns wieder an den Abstieg machen. Wir verlassen Schöna Richtung Elbtal und bald zweigt der Weg nach Schmilka ab. Über Stufen geht es durch den Wald bergab und nachdem wir durch eine Unterführung den Elberadweg erreicht haben, sind es nur noch wenige Meter zum Bahnhof Schmilka. Eine wirklich lohnende Tour war das und durch die Übernachtung auch gar nicht anstrengend. Durch einen Fehler beim Aufzeichnen habe ich keine Zeitangaben und keine Höhenmeter, die Streckenangaben habe ich mir aber gemerkt: Reichlich 7,5 Kilometer waren es am ersten, reichlich 19 Kilometer am zweiten Tag. Ein paar Fotos habe ich auch mitgebracht.

Samstag, 17. Oktober 2015

Es weihnachtet ein bisschen

Da habe ich mich in diesem Jahr wirklich auf einen goldenen Oktober mit vielen Wanderungen hier zuhause gefreut und nun fühlt man sich wie im tiefsten November. Und weil dem so ist, bin ich in diesem Jahr zeitig mit den Weihnachtsvorbereitungen dran. Gestern sind die ersten beiden orientalischen Stollen fertig geworden. (Den Dresdner Christstollen kaufe ich natürlich bei einem Traditionsbäcker hier in der Nähe). Man spürt schon den Sinn der Bäckerei, der Vorbereitungen, des Schmückens, Dekorierens und der vielen Kerzen: die sinnlichen Freuden trösten über das trübe Wetter und die Dunkelheit hinweg. Inzwischen nehme ich die Traditionen auch nicht mehr so genau wie früher: Räucherkerzen benutze ich fast das ganze Jahr hindurch, eine grüne Tanne kommt mir nicht mehr ins Haus und die Rituale an den Feiertagen sind auch sehr flexibel geworden: nichts „muss“ mehr. Hier glüht das Räucherkerzchen neben den Kastanienmännchen: unser Enkel Leon hat zwar selbst noch keins gebastelt – da muss man mit Bohrern und Alleskleber hantieren, noch nichts für einen Dreijährigen – aber er hat begeistert zugesehen und sich Eichelhütchen auf den Kopf gesetzt. In diesem Sinne: schöne Herbsttage und eine schöne Vorweihnachtszeit!

Sonntag, 2. August 2015

Wanderung von Geising aus zur Burg Kyšperk

Bei schönem und vor allem zuverlässigen Sommerwetter wollten wir gern mal wieder im Osterzgebirge wandern. Mein Vorschlag war das Mückentürmchen, denn dieses Ziel bedeutet, dass die Tour (von Geising oder Altenberg aus) 20 Kilometer überschreitet. Christian sah sich verschiedene Tourenbeschreibungen im Netz an und stieß auf die Burg Kyšperk. Tatsächlich ist diese Burg ein attraktives Wanderziel und gut über Fürstenau und Fojtovice zu erreichen. In Fürstenau kann man parken, aber als Nicht-Autofahrer starten wir in Geising (Station der Müglitztalbahn). Da die Tour einen schönen Bogen auf der tschechischen Seite des Osterzgebirges macht, wollten wir sicher gehen und schon mit dem 7.18 Uhr-Zug von Heidenau losfahren. Dies bedeutete, vor sechs Uhr in Dresden aufzubrechen und kurz vor fünf Uhr aufzustehen, was wir aber bei dieser Tour in Kauf nahmen, denn der nächste Zug fährt erst zwei Stunden später ab, zu spät am Tag für eine Wanderung dieser Länge, wie wir fanden.

Also machen sich zwei frühe Wandervögel bei noch fast nächtlicher Ruhe auf zum Trachauer Bahnhof und nehmen die 6.13 Uhr- S1 Richtung Schöna. In Heidenau hören wir unsere Lieblingsansage „Übergang zur Regionalbahn nach Altenberg“ und steigen aus. Ja, wir brauchen unsere regelmäßige Dosis Osterzgebirge. Es ist noch recht frisch und ich bezweifle schon, mich passend angezogen zu haben. Außerdem sieht es gar nicht so freundlich aus: gerade dort, wo wir hin möchten, ist eine dicke und dunkle Wolkendecke. Im Zug wird sogar die Beleuchtung eingeschaltet. Ein schneller Wetterbericht-Check gibt aber Entwarnung: kein Regen heute.

In Geising, wo wir 8.03 Uhr ankommen, laufen wir vom Bahnhof aus Richtung Erdbachtal. Man sollte nicht zu früh der Ausschilderung „Fürstenau“ folgen, weil es auch Wege über Löwenhain dorthin gibt, was aber ein Umweg wäre. Am besten geht man Richtung Hüttenteich und Kohlhaukuppe und folgt am Ortsende dem Wegweiser nach Fürstenau. Der Weg durchs Erdbachtal ist auch wesentlich schöner und man kürzt so ein ganzes Stück ab, das an der Straße entlang führen würde. Nachdem man an idyllischen Wiesen vorbei gegangen ist und ein Stück Wald hinter sich gelassen hat, geht man nicht geradeaus zum Silberstollen, sondern wendet sich links herum auf asphaltiertem Weg bergauf. Oben auf der Höhe hat man schon herrliche Aussicht. Dieser Weg erreicht auch die Straße zwischen Löwenhain und Fürstenau, aber man hat nur noch wenige Meter bis nach Fürstenau hinein – es sei denn, man nimmt noch die „Traugotthöhe“ bei Fürstenau (ausgeschilderter Abzweig) mit, einen der „Achttausender des Erzgebirges“ (in Dezimetern) – diese Variante ist auch sehr lohnend. Heute gehen wir aber direkt nach Fürstenau und von dort aus weiter bis nach Tschechien, am ehemaligen Grenzübergang vorbei und dann direkt nach Fojtovice. Im Ort wendet man sich gleich am ausgeschilderten Radweg nach Děčín links herum, nimmt aber nicht die Straße, sondern den Weg an einem Holzzaun entlang, der hinauf zu einem großen Windrad führt.

Wir haben den Fehler gemacht, unseren Weg auf dem Acker zu suchen – daraus wurde ein weniger angenehmer Querfeldein-Gang über Kuh-Trampelpfade, bis wir dann oberhalb des Windrades auf den Weg trafen. Der Weg führt hangauf bis zu einer Kreuzung mit vielen Wegweisern. Rechts entlang geht es ausgeschildert und blau-weiß markiert Richtung Kyšperk. Von da aus ist die Strecke hervorragend markiert und man kann den Weg zur Burg gar nicht verfehlen. Sehr schön sieht man das Mückentürmchen und auch die Vulkankegel des Böhmischen Mittelgebirges. Die Landschaft ist auch auf der tschechischen Seite sehr erzgebirgisch: Bergrücken, Wiesen, von Steinrücken durchzogen und mit Sträuchern bewachsen. Dann geht es abwärts in den Wald hinein. Wir schätzen, gegen 11 Uhr an der Geiersburg zu sein. Tatsächlich kommen wir 11.11 Uhr an. Die Burgruine ist frei zugänglich, man kann sich alles ansehen und sogar in den Keller hinein gehen (dazu besser Taschenlampe oder Stirnlampe mitnehmen). Auf den Mauern klettern wir allerdings nicht herum.

Breit und gut markiert geht der Weg weiter nach Krupka, und erst kurz vor dem Ort zweigt er nach rechts ab, so dass man angenehm unter Bäumen am Hang entlang geht. Darüber sind wir sehr froh, denn es ist nun richtig warm geworden. Den Ort Krupka finde ich nicht sonderlich reizvoll. Sehenswert ist das Kloster, das wir aber schon einmal besichtigt haben. Unser blau-weiß markierter Weg endet wenige Meter unterhalb der Seilbahn zum Mückenberg (Komáří hůrka). Der Sessellift fährt am Wochenende stündlich, und wir haben das Glück, nur 15 Minuten warten zu müssen bis zur Abfahrt 12.30 Uhr. Die Fahrt ist ein Erlebnis, das man sich durchaus mal gönnen kann, zumal es sehr preiswert ist (derzeit 3.10 € für eine einfache Fahrt). Oben gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten, durchweg empfehlenswert und auch beliebt, aber wir haben ausreichend Rucksackverpflegung dabei und können weiter gehen. Vom Mückenberg aus wandern wir auf dem rot-weiß markierten und ausgeschilderten Weg nach Cinovec, angegeben mit 7,5 Kilometern. Wir sind froh, rechtzeitig aufgebrochen zu sein, denn von Cinovec/Zinnwald aus müssen wir noch die Bahnstation erreichen: entweder Altenberg oder Geising. In Anbetracht der Länge der Tour gehen wir davon aus, Geising anzusteuern.

Dieser rot-weiß markierte Weg ist gerade neu ausgebaut worden, vermutlich für den Winterbetrieb, wenn dort gespurte Loipen verlaufen, aber auch für Radfahrer, die dort immer wieder anzutreffen sind. Wir finden das Gehen auf dem feinen Schotter ein wenig mühsam und sind froh, als es endlich ein Stück über eine Wiese geht. Kurz vor Cinovec geht man dann an der Straße entlang. Von der hübschen Kirche aus ist es nicht mehr weit bis zur Grenze.

In Zinnwald wenden wir uns gleich an der Straßenkreuzung rechts nach Geising. Wir möchten aber nicht die ganze Zeit an der Straße entlang laufen. Gegenüber vom Schaubergwerk „Großer Bünaustollen“, das sich unterhalb der Straße befindet, ist ein ausgeschilderter Aufstieg zur Scharspitze. Diese – noch ein „Achttausender“ – soll unser letztes Gipfelchen werden. Wir wissen, dass wir über die Scharspitze auf einem schattigen Waldweg direkt nach Geising gelangen und auch in Bahnhofnähe ankommen. Wir machen den Fehler, am Aschergraben entlang zu weit Richtung Altenberg zu gehen, bemerken dies jedoch und kehren um. Zum Glück haben wir noch ausreichend Zeit, um den 16.24-Uhr-Zug nach Heidenau zu erreichen. Wir schaffen es sogar, noch ein bisschen früher dort zu sein, und lassen uns die Gelegenheit nicht entgehen, nach Altenberg hinauf zu fahren, ehe es dann talwärts geht. Eine wirkliche Tagestour, 28,8 Kilometer lang.

Sonntag, 12. Juli 2015

Sommer!

Es ist Sommer geworden und somit auch Erntezeit. Die beiden Tomatenpflanzen sind sehr kräftig geworden; ich bin gespannt, ob die Früchte überhaupt noch alle reif werden. Neulich habe ich auch den ersten Salat ernten können. Das selbstklebende Kupferband um den Kasten hält tatsächlich die Schnecken ab: eigentlich müsste man jede Pflanze in einen Topf setzen und den Topf mit Kupferband umwickeln! Ansonsten ist hier gerade nicht viel zu berichten: der Urlaub war nicht aktionsreich, sondern ruhig und erholsam. In den vergangenen Wochen habe ich viel Zeit mit Nachdenken verbracht und die ruhigen Urlaubstage waren mir auch willkommen. Nun genieße ich das gute Gefühl, mich sortiert zu haben, und die Gelassenheit, die damit einher geht, führt wiederum dazu, dass ich nicht so viel mitzuteilen habe. Aber insgesamt ist das ein durchaus angenehmer und auch sommerlicher Zustand.