Sonntag, 15. Juni 2014

Muße

Es fühlt sich seltsam an, wenn man mit einem Mal sämtlicher Unternehmungslust entledigt ist, als hätte jemand einen Stecker gezogen. Und ich muss zugeben, es ist ganz wunderbar, mal in den Tag hinein zu trödeln, keinerlei Vorgaben an sich selbst zu haben, einfach die Dinge geschehen zu lassen. Morgens im Bett liegen zu bleiben und den Gedanken aufkommen zu lassen, man könnte auch den ganzen Tag drinnen bleiben, sich die Decke über den Kopf ziehen, für nichts und niemanden mehr da sein. Da bekomme ich doch tatsächlich Lust auf Strandurlaub: ausschlafen, irgendwann – vielleicht am späten Vormittag – frühstücken, ans Wasser gehen, wieder liegen bleiben, den Wolken nachschauen, ein paar Steine sammeln. Ein paar Tage lang fände ich das so schön! Vielleicht hat es mit unserer ungleichmäßigen Urlaubs-Verteilung in diesem Jahr zu tun, dass ich überwiegend an Ferien denke. (Nebenbei gesagt: auch diese etwas abweichende Urlaubsplanung geschieht nicht „einfach so“, natürlich nicht!) Ich erinnere mich an Zeiten, als wir gar nicht verreist sind. Da haben wir die Jalousien heruntergelassen und damit die Morgensonne weggesperrt: das führte zu einem veränderten Tagesrhythmus, da niemand zur Arbeit, in die Schule und in den Kindergarten musste. Irgendwann nach einem späten Frühstück ging es hinunter in den Garten, wo das Schwimmbecken aufgebaut war. Für den Nachmittag habe ich eine große Schüssel Pudding, Götterspeise oder Kaltschale vorbereitet, denn meist hatten wir Besucher-Kinder da (zusätzlich zu unseren eigenen), und Eis oder Kuchen für alle wäre zu teuer gewesen. Urlaub hat auch so funktioniert. Da ich gerade die Ferienstimmung von damals nachempfinde, ziemlich intensiv sogar, beginne ich mich zu fragen, ob es uns heute wirklich so gut geht, wie wir meinen. Ob dieses Zenit-Gefühl vielleicht doch trügt: es kann nicht besser werden, denke ich oft, und in dieser Feststellung ist der bange Gedanke „nur schlechter“ schon enthalten. Man lebt nicht isoliert, aber ich stelle fest: ich schaffe mir mein Hamsterrad auch selbst. Nicht nur im Alltag, sondern auch in der Freizeit, die optimal genutzt sein möchte: so wird der Aktivurlaub strukturiert, um möglichst viele Eindrücke und Erlebnisse mitnehmen zu können. Leben, solange man noch in der Lage dazu ist: ein Leben führen, das den eigenen Qualitätsansprüchen genügt. Aber wo bleibt die Muße? Zeit lassen kann ich mir später, denke ich oft: später, wenn körperliche und sonstige Einschränkungen kommen. Ab und an lohnt es sich, solche vorgefassten Meinungen in Frage zu stellen. Und deshalb faulenze ich heute noch ein bisschen, weil es gerade so schön ist.

Montag, 9. Juni 2014

Pfingsten 2014 im Harz mit Brockentour

Wenn mich jemand fragen würde, wie für mich ein perfekter Tag sein müsste, gäbe es eigentlich nur zwei wichtige Kriterien: es dürfte kein All-Tag sein, und eine Bergtour müsste dazu gehören. Wahrscheinlich spielten diese Kriterien eine Rolle, als wir uns entschlossen, zu Pfingsten dieses Jahres nicht in der Nähe unterwegs zu sein, sondern eine Tour auf den Brocken zu planen. Wir reisten am Sonnabend nach Bad Harzburg, wo wir zunächst einen kurzen Ausflug hinauf zum Burgberg machten. Schon vom Zug aus hatten wir den Brocken gesehen und auch vom Burgberg aus war er gut sichtbar. Sommerliches Wetter hatte sich eingestellt – Gipfelwetter!

Irgendwo hatte ich vom Teufelsstieg gelesen, dazu den Begriff „Hammer-Tour“, und das klang passend und vielversprechend. Wenn man den Brocken sieht, wirkt er durchaus majestätisch, aber bei seinem Anblick und nachdem wir uns bewusst gemacht hatten, dass der von uns schon oft bestiegene Kahleberg nur 240 Meter niedriger ist, hatten wir keine Zweifel mehr, den Aufstieg gut zu bewältigen. Ob wir vom Gipfel aus die Brockenbahn hinunter nehmen oder wieder zurück wandern würden, wollten wir dann oben entscheiden.

Gegenüber der Talstation der Burgbergbahn hatten wir schon den Wegweiser zum Teufelsstieg entdeckt, aber als wir die Straße überquert haben, sehen wir nur den Wegweiser zur Luchs-Tour. Auf dem Ortsplan verlaufen beide Wege ein Stück miteinander, und so beschließen wir, dem Luchs-Weg bergan zu folgen. In weiten Serpentinen geht es hinauf Richtung Burgberg. An einer Wegkreuzung können wir zwischen „Burgberg“ und „Kaltem Tal“ wählen. Als wir unsere Wanderkarte studieren, erkennen wir, dass wir den Teufelsstieg verfehlt haben, aber vom Kalten Tal aus zum Molkenhaus gelangen würden – einer Station auf unserer geplanten Brockentour. Kurz vor dem Molkenhaus sehen wir dann auch den Teufelsstieg und beschließen, dort hinunter zu gehen, falls wir auch den Rückweg zu Fuß nehmen würden.

Am Molkenhaus, wo man sich stärken kann, machen wir eine kurze Pause, halten uns jedoch nicht lange auf und gehen weiter zum Eckerstausee. Man überquert zunächst eine schöne Bergwiese und steigt dann in ein Tal hinab, von wo aus der Weg zum Stausee wieder allmählich ansteigt. Hier treffen wir die ersten Mountainbiker. Wanderer sehen wir hingegen kaum. Schon am Vormittag ist es sehr warm, und wir sind froh über unseren reichlichen Wasservorrat und die mitgebrachten Kopfbedeckungen. Durch den Eckerstausee verlief die deutsch-deutsche Grenze, und der entsprechende Punkt an der Staumauer ist durch einen symbolischen Grenzpfosten gekennzeichnet. Heute freut man sich, dass diese Grenze nicht mehr existiert und der Brocken aus verschiedenen Himmelsrichtungen erwandert werden kann.

Bis zum Scharfenstein, wo es eine Rasthütte und eine große Wegkreuzung gibt, steigt der Weg nur mäßig an. Überhaupt ist er sehr schön und landschaftlich abwechslungsreich. Leider habe ich erst nachträglich auf der Karte gesehen, dass man den Scharfenstein (698 m)auch besteigen kann… das wäre dann etwas für ein nächstes Mal. Nun kommen immer mehr Mountainbiker. Nicht nur bergauf, sondern auch bergab fahren sie, was mir bald einen ziemlichen Schreck einjagt. Ich traue ihnen nicht hundertprozentig zu, bei den Geschwindigkeiten ihr Rad unter Kontrolle zu halten! Der Weg wird steiler und vor allem die Sonne sorgt dafür, dass es etwas anstrengender wird als bisher, aber mit Ruhe und Trinkpausen ist die Strecke selbst an einem heißen Tag gut zu bewältigen. Der Gipfel kommt immer näher und schließlich sind wir oben (1.141 m). Endlich weht ein angenehmer Wind! Wir gehen bis zur Gipfelmarkierung, wo ein wahres Pfingst-Treffen von Wanderern und Radfahrern aus allen Richtungen stattfindet. Schnell ein Foto und dann weg dort! Wir suchen uns einen ruhigen Rastplatz im Schatten des Brockenmuseums. Bei diesen Menschenmengen, die schon oben sind und unablässig hinauf kommen, verzichten wir sowohl auf den Museumsbesuch als auch auf den Blick von der Aussichtsplattform. Es ist noch genügend Zeit und da wir auch genug Energie zum Wandern haben, entschließen wir uns, einen etwas weiteren Rückweg nach Bad Harzburg zu nehmen. Vom Brocken-Rundweg aus gelangen wir auf den Neuen Goetheweg. Zunächst aber geht es ein Stück auf der Asphaltstraße Richtung Schierke entlang, und was dort los ist, finden wir ziemlich gruselig. Menschen über Menschen, die Richtung Gipfel strömen, dazu Radfahrer und gelegentlich Pferdewagen. Man kann auch niemanden überholen, dazu sind zu viele Leute unterwegs. Aber es ist nun mal Pfingsten und auch wir wollten hinauf… nun streben wir schleunigst wieder „unserer“ ruhigen Bergseite zu.

Endlich zweigt der Weg ab, es geht eine Weile neben den Gleisen der Brockenbahn weiter. Wir folgen dem ausgeschilderten Weg Richtung Torfhaus, bis rechts ein Weg zum Eckerstausee und zum Scharfenstein abzweigt. Nun sind wir auf einem eher schmalen Waldweg und treffen nur noch gelegentlich einige wenige Mountainbiker. Ansonsten haben wir viel Natur um uns, viel Stille, einen richtig verwunschen wirkenden Wald und einen kühlen Bach an unserer Seite.

Dieser Weg macht einen weiten Bogen und wir gehen eine ganze Weile immer geradeaus, bis wir endlich wieder am Scharfenstein ankommen. Hier tut ein kühles Getränk gut! Aber wir halten uns nicht lange auf: 18 Kilometer sind auf dem Rückweg zu bewältigen, 14 Kilometer waren es hinauf zum Brocken von Bad Harzburg aus. Am Eckerstausee angekommen, sehen wir Haufenwolken, es hat sich eingetrübt. Sollte heute doch noch ein Gewitter kommen? Oberhalb des Stausees gibt es eine Gelegenheit, die Trinkflaschen mit Wasser aus der Talsperre zu füllen. Hier hat sich eine kleine Warteschlange gebildet: der Wasserbedarf an einem solchen Tag ist einfach sehr groß! Bis zum Molkenhaus folgen wir wieder unserem bekannten Weg, was uns einen Gegenanstieg beschert. Nach einer Stärkung gehen wir den Teufelsstieg über den Ettersberg zurück nach Bad Harzburg. Man kommt unten auf der Fahrstraße Richtung Sennhütte heraus und dort, wo wir die Hauptstraße überquert hatten, fehlt ein Wegweiser… 8 ½ Stunden waren wir unterwegs, haben reichlich 33 Kilometer zurückgelegt, 1.740 Höhenmeter im Anstieg und 1.660 Höhenmeter im Abstieg. Technische Schwierigkeiten gab es keine, ein Gewitter ist uns erspart geblieben. Es war eine schöne, tagesfüllende, abwechslungsreiche, landschaftlich reizvolle und durchaus fordernde Mittelgebirgstour. „Hammer-Touren“ finden konditionsstarke Wanderer aber doch eher im Hochgebirge.

Samstag, 31. Mai 2014

Wetterküche

Beeindruckend schön fand ich diese dunklen Wolken am Abendhimmel - und bin heute dennoch froh, dass sie sich verzogen haben.

Sonntag, 18. Mai 2014

Wolken, Nebel, Tafelberge...

Bei so unbeständigem Wetter ist man manchmal gut beraten, sich nicht vom Wetterbericht abschrecken zu lassen! Trotz der düsteren Aussichten hatten wir eine interessante Zeit im Elbsandsteingebirge. Wir waren erst am späten Samstagnachmittag in Rathen und konnten dort noch einen kurzen Ausflug zu den Kletterfelsen unternehmen. Leider verfehlten wir die Lokomotive - wir nahmen einen der Bergsteigerpfade nach oben und kamen woanders raus. Welches Felsmassiv das war? Keine Ahnung! Aber es gab wunderschöne Aussichtspunkte: wir sahen den Lilienstein, den Gammrig und schließlich auch die Lokomotive. Nach der Übernachtung im Amselgrundschlösschen ging es heute auf die andere Elbseite und dort weiter zu den Rauensteinen. Über Treppen und Leitern gelangt man auf mehrere Felsen mit vielen Aussichtspunkten. Sehr interessant, stellten wir fest, auch für größere Kinder eine lohnende Tour. In Weißig verfehlten wir dann leider den Malerweg, der oberhalb eines Steinbruchs verlaufen soll, und gingen am Elberadweg nach Obervogelgesang. Dort nahmen wir einen gelb markierten Wanderweg aus dem Tal hinaus zu einem Aussichtspunkt. Dies war zwar sehr interessant, aber der weitere Weg ist weniger empfehlenswert: über Ebenheit sollte es nach Pirna gehen, aber der Wanderweg dort, obwohl markiert, existiert noch nicht, ist laut Auskunft eines Anwohners erst geplant. So blieb uns nichts weiter übrig, entlang der B 172 nach Pirna zu laufen. Weil wir nicht unmittelbar an dieser stark befahrenen Schnellstraße gehen wollten, liefern wir am Feldrand entlang - ein Härtetest für unsere Schuhe! Aber wir kamen gut in Pirna an und wanderten durch die Altstadt zum Bahnhof. Der Streckenabschnitt an der Straße entlang fällt für uns in die Kategorie "Einmal und nie wieder" - aber auch derartige Erfahrungen muss man ab und an machen, schon um zu wissen, wo man besser nicht wandern geht.

Samstag, 10. Mai 2014

10.05.2014: Traumtour im Osterzgebirge

Ich schreibe keinen typischen „Wanderblog“ mehr. Ein Grund dafür ist unsere Vorliebe für einige Touren, die wir regelmäßig mit gewissen Abweichungen wiederholen – man kann schon sagen, wiederholen müssen. Dies bedeutet: wir erheben nicht den Anspruch, Lesern etwas bieten zu wollen, sondern wandern unseren eigenen Bedürfnissen folgend. Es gibt Gegenden, die wir immer wieder aufsuchen möchten. Das Osterzgebirge ist so eine Lieblingsecke, nicht nur, weil es relativ gut für uns zu erreichen ist. Wir haben auch eine traditionelle, familiäre Bindung zur Gegend um Altenberg/Geising, die wir durch Urlaubsaufenthalte und Wanderungen erhalten möchten. Einige Male schon habe ich beschrieben, warum wir das Osterzgebirge so lieben. Das moderne Leben ist hastig und laut, voller Kampf, Krampf, Beschleunigung und Reizüberflutung, dass man sich nach einem Ruhepol sehnt, wo man sich an all dem sättigen kann, was im Alltag fehlt. Deswegen gibt es regelmäßig Tage, an denen wir feststellen: wir müssen unbedingt mal wieder ins Erzgebirge.

Praktisch ist die Busverbindung von Dresden nach Altenberg: man steigt am Hauptbahnhof ein und ist nach einer reichlichen Stunde da. Wir sind heute schon kurz vor neun Uhr „oben“. Mit dem Wetter scheinen wir Glück zu haben: die Sonne scheint, ein paar Wolken ziehen über den blauen Himmel. Es ist noch kühl und der Westwind bläst zunächst etwas unangenehm. Wir wenden uns gleich Richtung Geisingberg: dieser soll unser erstes Gipfelziel sein. Bei unserer letzten Wanderung war hier oben alles noch recht karg: nun sind die Wiesen saftig grün, übersät mit goldgeben Löwenzahnblüten. Der Anstieg zum Geisingberg (824 m) ist von Altenberg aus eher sanft: wir benötigen kaum dreißig Minuten bis hinauf.

Nach kurzer Pause gehen wir weiter Richtung Geising. Die Wiesen des Osterzgebirges stehen heute unter besonderem Schutz. Wir sehen neben dem Löwenzahn Hahnenfuß, kleine rosa Nelken und Vergissmeinnicht. Der Blick ins Tal nach Geising ist immer schön, besonders an einem sonnigen Morgen. Das Laub der Bäume leuchtet in allen Grüntönen: das lässt uns ins Schwärmen kommen – und wir freuen uns auch schon wieder auf die Herbstfärbung! Auf der anderen Talseite ist die Kohlhaukuppe zu sehen, die allerdings nicht zu den vierzehn „Achttausendern“ des Erzgebirges (Höhenangabe in Dezimetern) zählt – sie ist nur ein „Siebentausender“, aber der Aufstieg ist dennoch sehr empfehlenswert: es gibt dort einen Aussichtsturm, eine gemütliche Baude mit gutem Essen und ringsum sind schöne Wanderwege. Wir streben heute einem eher unscheinbaren „Achttausender“ zu: der Scharspitze (808 m), die sich etwa auf halbem Weg von Geising nach Zinnwald befindet. Wir gehen zunächst Richtung Bahnhof, nehmen aber den „Goldhahnweg“, der von der Fahrstraße nach Altenberg abzweigt und am Hang hinauf zum Aschergraben führt. Am Aschergraben entlang kann man auch sehr schön laufen: besonders an warmen Sommertagen ist es dort angenehm kühl. In ziemlich gerader Linie geht es bergauf, dem Wegweiser zur Scharspitze folgend. Bald aber windet sich der Weg in breiten Kehren hinauf: es ist die alte Bobbahn, die bis 1930 in Betrieb war. Offenbar finden nur wenige Wanderer diesen Weg: er ist mit weichem Gras bedeckt, weswegen man beinahe lautlos und ganz sanft unterwegs ist. Die Scharspitze ist ein stiller Berg, hier lockt kein Aussichtspunkt, nur eine Schutzhütte.

Wir nehmen nicht den ausgeschilderten Weg nach Zinnwald, sondern gehen einen schmalen Waldweg weiter. Es gibt ein unscheinbares, verblasstes Schild „Seidelbastweg“. Wohin es geht, wissen wir nicht, möchten es aber herausfinden. Es ist ein schöner, durchweg gut begehbarer kleiner Waldweg. Er führt direkt auf einen breiten, asphaltierten Weg, der von Altenberg nach Zinnwald verläuft – man kann sowohl die Zinnwalder Häuser als auch die Altenberger „Pinge“ in den entgegengesetzten Richtungen sehen. Wir gehen ein Stück Richtung Zinnwald, biegen aber bald wieder rechts ab in den Wald, denn hier verläuft der ausgeschilderte Weg zur Biwakkuppe. Ein Stück gehen wir auf einer Schneise entlang, dann sehen wir weiter vorn schon das alte Zollgebäude. Noch einmal geht es rechts herum und nach einigen Metern haben wir die Biwakkuppe erreicht. Hier gibt es ein Gipfelbuch: die Biwakkuppe ist, trotz ihrer versteckten Lage, ein beliebtes Wanderziel und dementsprechend zahlreich sind die Einträge. An der alten Zollanlage vorbei, wandern wir durch den Wald nach Zinnwald-Georgenfeld: wir folgen dem Besucher-Zugang zur Biathlon-Arena und biegen dann Richtung Zinnwald ab. Heute statten wir nur dem Kleinen Lugstein (890 m) einen Besuch ab. Dies ist nun schon der vierte „Achttausender“ am heutigen Tag! Man muss erwähnen, dass zwischen Scharspitze, Biwakkuppe und den Lugsteinen nur unwesentliche Höhenunterschiede zu überwinden sind. Dann folgen wir dem Weg vorbei am Georgenfelder Hochmoor. Hier oben hat man einen schönen Ausblick auf die Vulkankegel des Böhmischen Mittelgebirges. Die etwas karge Vegetation um Lugstein und Hochmoor fasziniert immer wieder. Es ist sehr empfehlenswert, durch das Hochmoor zu gehen, aber heute haben wir Anderes vor.

Wir gehen weiter auf dem rot-weiß markierten Wanderweg nach Rehefeld. Rehefeld-Zaunhaus liegt sehr idyllisch im Tal. Auch der blau-weiß markierte Kammweg Erzgebirge-Vogtland führt durch diesen Ort. Unterwegs dorthin, genießen wir die gute Waldluft, die Stille, die Natur: Herz, was willst du mehr! Richtung Rehefeld sind nur wenige Leute unterwegs: es lohnt sich, diese Gegend kennenzulernen! Im Tal angekommen, entschließen wir uns, noch einen der „Achttausender“ zu besteigen, den Hemmschuh (846 m). Auf dem Kammweg gehend, umrundet man ihn in südwestlicher Richtung. Erst dort, wo man bei Neurehefeld den Wald verlässt, führt ein markierter Weg hinauf. Man ist dann in kurzer Zeit oben. Der Sessellift fährt im Sommer nicht, wir haben das Gipfelchen für uns allein. Über die Naturrodelbahn lässt es sich gut hinunter nach Rehefeld wandern. Wir gehen noch ein Stück durch den Ort und nehmen dann den Milchflussweg (benannt nach den weißen Schaumkronen des dort fließenden Baches) zurück Richtung Altenberg.

Ich staune nicht schlecht, als mir der Forerunner 20,5 gewanderte Kilometer anzeigt. 7,5 Kilometer sind es noch bis Altenberg. Der Anstieg von Rehefeld zum Kahleberg ist etwas fordernder als der von Altenberg hinauf auf den Gipfel. Als wir das erste Mal hier hoch gingen, fanden wir den Anstieg beeindruckend, beinahe einschüchternd. Heute staunen wir ein wenig über unseren damaligen Eindruck. Wir können zügig gehen und sind 15.15 Uhr oben an der Aussicht. Der Kahleberg (905 m) ist immer wieder die Krönung einer Wanderung. Angenehm ist die Möglichkeit einer kleinen Stärkung: auch heute freuen wir uns, dass die Baude geöffnet ist. Nach einer kurzen Pause wandern wir die letzten drei Kilometer nach Altenberg, von wo aus wir mit der Müglitztalbahn nach Heidenau und mit der S-Bahn zurück nach Hause fahren. 28 Kilometer waren wir insgesamt unterwegs bei knapp sieben Stunden Wanderzeit. Der Forerunner hat mich irgendwo beim Aufstieg zum Kahleberg im Stich gelassen: er hat dennoch über 1.040 Höhenmeter im Anstieg und 980 im Abstieg aufgezeichnet. Das hätten wir bei den eher sanften Steigungen gar nicht vermutet.

Diese Tour diente, wie ich gern zugebe, der Vorbereitung auf weitere Mittelgebirgs- und auch Hochgebirgstouren, aber darüber hinaus sind wir einfach gern länger unterwegs. Wer länger unterwegs ist, hat mehr von der Landschaft, erlebt das Gefühl, gehend anzukommen, immer aufs Neue. Eine wunderschöne Tour war das, ein perfekt genutzter Tag. Wir erlebten Stille, Naturschönheit, gutes Wanderwetter, Streicheleinheiten für die Seele: genau das, was wir uns gewünscht haben. Mit der Werbung für die vierzehn „Achttausender“ ist ein interessanter Anreiz geschaffen worden, ganz unterschiedliche Erhebungen des Osterzgebirges zu erwandern. Ich würde sie aber nicht an zwei oder drei Tagen nacheinander besteigen wollen und finde es reizvoller, sie in Kombinationen zu entdecken: es gibt rundum schöne „Siebentausender“ wie die Kohlhaukuppe, Ortschaften, deren ursprünglicher Charakter noch nicht kaputt modernisiert wurde, und natürlich sind auch Abstecher nach Böhmen empfehlenswert, wo weitere Eindrücke und Gipfel locken. Meine besondere Vorliebe gehört dem Kahleberg, dem einzigen „Neuntausender“ des Osterzgebirges.

Und hier die Fotos zur Tour.

Sonntag, 20. April 2014

Frohe Ostern!

Der Osterhase war da: Leon hatte seine Freude daran, die Eier nicht nur einzusammeln, sondern erneut zu verteilen. Diese wunderschöne Vivaldi-Adaption von Stern Meißen passt gut zum diesjährigen Osterfest - und auch zu meiner Lektüre. Bin noch nicht ganz durch mit der Moritz-Biografie, glücklicherweise, denn gute und interessante Bücher sollten ja am besten kein Ende haben. Ich freue mich sehr, dieses Stück Geschichte kennenzulernen. Moritz war so europäisch!

Sonntag, 30. März 2014

Wieder einmal im Osterzgebirge (29.3.-30.3.)

Ein so warmes, frühlingshaftes Wochenende wollte genutzt werden! Um es aber auch ruhig angehen zu können, fuhren wir erst gestern Mittag los: zuerst mit der S-Bahn nach Heidenau und von dort aus weiter mit der Müglitztalbahn bis nach Altenberg. Das attraktivste Wanderziel bei Altenberg ist für mich zweifellos der Kahleberg. Als wir dort gestern hinauf gingen, fiel mir erstmals auf, dass die Strecke eigentlich ein Spaziergang ist. Das hatte ich bisher nie so empfunden, weil wir bei Wanderungen im Osterzgebirge meist zwei bis drei dieser Erhebungen, die über 700 bis knapp über 900 Meter (Kahleberg) hoch sind, pro Tour begehen – „besteigen“ erscheint mir zu hochtrabend ausgedrückt. Der Kahleberg war für uns oft die Krönung einer Tour dort oben, aber nicht der einzige Höhepunkt. Man muss bedenken, dass Geising bereits auf über 500 Metern Höhe, Altenberg auf über 700 Metern Höhe liegt. Spaziergänge sind ja auch ganz nett… Wir folgten bis auf eine kurze Unterbrechung dem blau-weiß markierten Kammweg Erzgebirge-Vogtland bis zum Gipfel. Ich freue mich immer auf die Aussicht– dieses Mal konnte man allerdings nicht bis ins Elbtal sehen. Wunderbar ruhig war es dort oben. Nur wenige Wanderer waren außer uns unterwegs, denen man ansah, dass sie die Stille ebenso genossen. Sogar Vogelstimmen waren selten. Wir blieben noch eine Weile auf dem Kammweg und wandten uns zunächst Richtung Rehefeld, gingen aber nicht hinunter, sondern folgten einem Radweg unterhalb des Kammes Kahleberg/Lugstein Richtung Georgenfelder Hochmoor. Vorbei an der Lugsteinbaude ging es dann zum Lugsteinhof, unserer Bleibe für die Nacht. Am Abend machten wir einen kurzen Spaziergang durch den hübschen und interessanten Ort Zinnwald-Georgenfeld und statteten schließlich den Lugsteinen einen Besuch ab. Dann ging allmählich die Sonne unter. Heute begann unsere Wanderung gegen neun Uhr. Wir entschieden uns zu unserer Lieblingstour zum Mückenberg, der bereits in Tschechien liegt. Wir folgten dem grenzüberschreitenden Wanderweg von Zinnwald/Cinovec aus und erreichten nach reichlich neun Kilometern den Mückenberg mit dem Mückentürmchen. Trotz des schönen und milden Wetters war es dort oben noch recht ruhig. Erst als wir nach kurzer Rast wieder hinunter gingen, kamen uns mehrere Wanderer entgegen. Wir gingen nicht nach Fürstenau weiter, sondern geradeaus an der Müglitz entlang bis nach Gottgetreu-Müglitz. Dort saß etwa zwanzig Meter von uns entfernt ein großer Jagdhund vor einem Grundstück und drohte uns. Er war nicht angekettet, von den Bewohnern des Grundstücks war niemand zu sehen. Es wäre tollkühn gewesen, dort vorbei zu gehen. Wir wollten das keineswegs. Allerdings gibt es erst weiter vorn im Dorf eine Brücke. Bis zurück nach Fojtovice wollten wir nicht … also suchten wir einen Übergang über die Müglitz. Wir sahen keine andere Möglichkeit, als an einer flachen und schmalen Stelle hindurch zu waten. Erst später ärgerten wir uns über die Leute, die sich nicht darum scherten, dass der Hund die Leute belästigt. Der Weg dort gehört ja nicht ihnen! Die Durchquerung der Müglitz fanden wir lustig: ein echtes Outdoor-Erlebnis, womit wir nicht gerechnet hatten. Und ich hatte mir am Morgen noch ein Kneipp-Becken draußen vorm Hotel gewünscht… Wir gingen gleich an der Straße entlang hinauf ins Oberdorf Gottgetreu, schauten uns den Ort und den Glockenturm an und wanderten dann weiter nach Fürstenau. Wir wollten gern noch ein Gipfelchen auf unserer Tour dabei haben, die Traugotthöhe, einer der „Achttausender“ des Osterzgebirges – in Dezimetern. Die Traugotthöhe sieht eher unscheinbar aus, ist aber ein sehr schön gelegener, meist sonnenbeschienener Aussichtsberg. Von dort aus ging es dann hinunter nach Geising, wo die Müglitztalbahn abfährt. Dies war eine Wanderung von ziemlich genau 26 Kilometern, eine richtig schöne Tagestour, gar nicht überlaufen – und ich muss wohl kaum erwähnen, dass wir ungern abgefahren sind.