Montag, 1. Juni 2015

Osterzgebirge: von Geising aus zur Kohlhaukuppe, Traugotthöhe und von Fürstenau über Gottgetreu zurück

Jetzt ist die beste Zeit zum Wandern! Und deshalb nutzen wir das Sonntags-Wetter für eine Wanderung im Osterzgebirge. Wir sind so gern hier unterwegs und brauchen mehrere Touren, um unsere Lieblingsorte aufzusuchen. Mit der Müglitztalbahn fahren wir von Heidenau aus nach Geising, gehen durch den Ort an der Eishalle vorbei Richtung Kohlhaukuppe und wählen den steilen Aufstieg an der Nordwestseite. Es wird bereits sommerlich warm, nur oben am Gipfel weht ein frischer Wind.

Vor uns sind schon Wanderer angekommen und kurz vor elf Uhr kommen immer mehr Leute nach oben, die in der Bergbaude einkehren möchten. Wir gehen bald weiter durch den Wald Richtung Silberstollen. Unterwegs sind wir zunächst auf einem Weg, der eher wie eine Schneise aussieht; später wird er breiter und uns kommen gelegentlich Moutainbiker entgegen. Wunderschön ist wieder das frische Grün überall.

Am Silberstollen gibt es leider nicht viel zu sehen: er ist verschlossen und nicht zugänglich. Aber man kann rasten und sich die schöne Landschaft ansehen. Nach kurzer Pause gehen wir weiter bergauf Richtung Fürstenau. Wenn man den Wald verlässt, hat man schon eine wunderbare Aussicht – und es wird noch besser. Es ist empfehlenswert, der Traugotthöhe, einem etwas unscheinbaren Gipfelchen, einen Besuch abzustatten. Es gibt einen ausgeschilderten Weg hinauf. Man hat herrliche Ausblicke weit ins Land, nach Geising, Altenberg, Fürstenau und auch nach Tschechien zum Mückenberg mit dem Mückentürmchen. Hier pausieren wir etwas länger. Gelegentlich finden Wanderer hinauf. Die Traugotthöhe zählt zu den 14 Achttausendern des Osterzgebirges und je bekannter diese werden, umso mehr Leute entdecken die Gipfelchen.

Wir verlassen unseren Aussichtsberg und gehen weiter ein Stück an dessen Südostseite entlang und dann nach Fürstenau hinein. Hier entschließen wir uns zu einem Abstecher in das Dorf Gottgetreu nahe der Grenze zu Tschechien, dem Heimatort meiner Schwiegermutter. Wir wandern entlang der Straße zwischen Fürstenau und Müglitztal dorthin. Sehenswert in Gottgetreu ist der Glockenturm.

Vom Oberdorf aus zweigen Waldwege ab nach Fürstenwalde und Fürstenau; wir biegen schließlich auf den Weg nach Fürstenau ein. Unser Plan ist, nach Löwenhain und von dort aus weiter nach Geising zu wandern. Das ist nicht ganz einfach, weil es keinen direkten gut markierten Weg bis dorthin gibt. Abschnittsweise wurden schon breite Wege angelegt, die aber nicht durchgehend verlaufen. An einer Kreuzung gehen wir nicht links herum wie ausgeschildert nach Fürstenau/Kirche, sondern unmarkiert rechts herum. Der Weg ist ein ganzes Stück neu und in sehr gutem Zustand. Es ist ziemlich einsam in dieser Gegend, was uns lieb ist. Nach einer Weile sehen wir sogar ein Reh mitten auf dem Weg. Leider entdeckt es uns, ehe ich ein gutes Foto von ihm machen kann, und flüchtet in den Wald.

Der breite Weg endet an einer Straße. Nur – welcher Straße? Es gibt einen alten, kaum noch erkennbaren Weg hangaufwärts auf der gegenüberliegenden Seite der Straße. Wir sind ihn schon einmal gegangen, er führt in die richtige Richtung, hört aber irgendwann im Wald auf. Damals sind wir querfeldein nach Löwenhain gegangen. Heute haben wir keine Lust dazu und gehen an der Straße entlang, in der Hoffnung, dass diese ebenfalls nach Löwenhain führt. Leider tut sie das nicht und wir erkennen unseren Irrtum erst, als wir das Ortseingangsschild von Fürstenau lesen können. Das ärgert uns natürlich, denn zurück nach Fürstenau hätten wir auch einfacher gelangen können! Uns bleibt nichts weiter übrig, als geradeaus weiter zu gehen, bis kurz vor der Kirche die Straße nach Löwenhain abzweigt.

Mir wird klar, dass es knapp wird mit dem nächsten Zug. Wir gehen zügig durch Fürstenau hindurch, aber bald wird uns klar, dass wir den Zug nicht schaffen werden. Das ist uns bisher noch nie passiert, dass wir den 16.24 Uhr-Zug in Geising verpassen! Der nächste Zug nach Heidenau fährt zwei Stunden später. Und deshalb hören wir auf, uns zu beeilen, machen eine Kaffeepause an der nächsten Bank – wir sind inzwischen wieder auf den Weg an der Traugotthöhe vorbei nach Geising eingebogen – und genießen die Landschaft. Zwei Stunden geschenkte Zeit hier oben, darüber sollte man sich nicht ärgern!

Der Weg durch die Wiesen zurück nach Geising ist auch besonders schön: man geht direkt auf den Ort mit dem Geisingberg zu. Heute können wir gemütlich durch den ganzen Ort zum Bahnhof gehen. Das Berghotel Schellhas, wo wir gern noch eingekehrt wären, ist geschlossen – hoffentlich nicht für immer! Alternative ist der Bäcker am Bahnhof, der bis 18 Uhr geöffnet ist und immer noch eine gute Auswahl an Eis und Kuchen hat. Also gibt es Eis zur Erfrischung und zum Ausklang des Tages.

Vor ein, zwei Jahren noch hätte mich wohl der Ehrgeiz gepackt und wir hätten noch fünf Kilometer bis Altenberg drangehängt. Heute ist es uns wichtig, auch Zeit zum Ausruhen und Genießen zu haben. Lieber fahren wir das Stück mit dem Zug hinauf – eine wunderbare Strecke, die sich allein für die Ausblicke während des Fahrens lohnt – und bleiben gleich sitzen, bis es wieder hinunter ins Tal geht. So gemütlich, wie wir gedacht hatten, war die Tour durch den Umweg nicht geworden: 24 Kilometer waren es insgesamt bei 940 Höhenmetern Aufstieg und 980 Höhenmetern Abstieg.

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